03. Dezember





Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern  von Hans Christian Andersen (Teil 1) 

Draußen war es entsetzlich kalt und es schneite. Der Abend brach bereits herein und es wurde dunkel in der Stadt.
Es war der letzte Abend im Jahre, der Silvesterabend.
In dieser Kälte und in Finsternis ging auf der Straße ein
kleines armes Mädchen mit bloßen Kopfe und nackten Füßen.
Es hatte wohl freilich noch Pantoffeln an den Füßen angehabt, als es von Hause fortging, aber was konnte das helfen!

Es waren sehr große Pantoffeln, sie waren früher von seiner Mutter gebraucht worden, so groß waren sie, und
diese hatte das kleine Mädchen verloren, als es über die Straße eilte, während zwei Wagen in rasender Eile vorüberjagten.

Der eine Pantoffel war nicht wiederaufzufinden und mit dem anderen machte sich ein Junge aus dem Staube,
welcher versprach, ihn als Wiege zu benutzen, wenn er einmal Kinder bekäme.


Da ging nun das kleine Mädchen auf den nackten zierlichen Füßchen, die vor Kälte schon ganz rot und blau waren.
In ihrer alten Schürze trug sie eine Menge Schwefelhölzer und ein Bund hielt sie in der Hand.
Während des ganzen Tages hatte ihr niemand etwas abgekauft, und niemand hatte ihr ein Almosen gereicht.
Hungrig und völlig durchgefroren schleppte sich die arme Kleine weiter und sah schon ganz verzagt und eingeschüchtert aus.

Die Schneeflocken fielen auf ihr langes, blondes Haar, das schön gelockt über ihren Nacken hinabfloss.
Aber an diesem Schmuck konnte sie sich an diesem Abend wahrlich nicht erfreuen.

Aus den Fenstern aller Häuser strahlte heller Lichterglanz und über alle Straßen verbreitete sich der Geruch von köstlichem
Gänsebraten.
Es war ja schließlich Silvesterabend, und dieser Gedanke erfüllte alle Sinne des kleinen Mädchens.

In einem Winkel zwischen zwei Häusern, von denen das eine etwas weiter in die Straße vorsprang als das andere,
kauerte sich das Mädchen nieder. Seine kleinen Beinchen hatte es unter sich gezogen, aber es fror nur noch mehr.

Dennoch traute es sich nicht, nach Hause zu gehen, da es noch kein Schächtelchen mit Streichhölzern verkauft,
noch keinen Heller erhalten hatte.
Es hätte ganz gewiss von ihrem Vater Schläge bekommen. Und kalt war es zu Hause ja auch; sie hatten das bloße Dach
gerade über sich, und der Wind pfiff schneidend hinein, obgleich Stroh und Lumpen in die größten Ritzen gestopft waren. ...



Herzlichen Dank an Eva, deren Bilder ich in diesem Jahr freundlicherweise verwenden darf :-)

© bäuerinnentreff 2008


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