17. Dezember





Krippenspiel  von Barbara Arnold (Teil 1)

Kennen Sie das? Alle Jahre wieder ereilt uns – mit großer Regelmäßigkeit und dennoch plötzlich und unerwartet – die Weihnachtszeit. Die Kindlein nutzen die neu erworbenen Schreibfertigkeiten zum Verfassen kilometerlanger Wunschzettel, die Omi ruft alle drei Tage an, und will wissen, wann wir kommen. Die andere Omi lässt sich die kilometerlangen Wunschzettel am Telefon vorlesen – zum Glück haben wir ja neuerdings eine Flatrate. Leider hat die Omi immer noch keinen Internetanschluss, sonst könnten wir die Wunschzettel per E-Mail schicken. Dann gäbe es auch kein Durcheinander mit den Playmobil-Artikelnummern. Es wäre auch tragisch, wenn infolge eines Zahlendrehers statt des Piratenschiffs das rosarote Märchenschloss unter dem Weihnachtsbaum stünde. Oder so ähnlich.

Der Verlauf des Heiligen Abends folgt Jahr für Jahr für Jahr dem gleichen Ritual: Beim Frühstücks, also so ca. um viertel nach elf, bricht eines der erwachsenen Familienmitglieder eine Grundsatzdiskussion zum Thema: »in welche Ecke des Wohnzimmers stellen wir den Weihnachtsbaum?« vom Zaun. Während wir noch debattieren, fragt plötzlich der andere (in der Regel mein Mann): »welchen Weihnachtsbaum?« um dann urplötzlich und mit angebissenem Nutellabrötchen in der Hand aus dem Haus zu stürzen, um der Diskussion eine materielle Grundlage zu verschaffen, sprich: einen der Last-Minute-Weihnachtsbäume zu kaufen, die zwar erfahrungsgemäß nicht billiger als die früher gekauften sind, dafür aber origineller in der Form.

Während also Vati unterwegs ist, macht sich Mami auf die Suche nach dem Weihnachtsschmuck, damit Kugeln und Lichterketten schon bereit stehen, wenn der Baum eintrifft.

Die Schwiegermutter macht derweil schon mal Vorschläge zum Thema »Farbkonzept und Trendweihnachtsbaum«, während ich mit zusammengebissenen Zähnen die Fünfziger-Lichterkette auseinanderpule. Gefühlte viereinhalb Stunden später steht der Baum in vollem Glanze da. Mein ältester Sohn verlangt nach einem täuschend echt geschminkten Hirtenrauschebart, weil die Krippenspielaufführung in wenigen Minuten beginnt, der Kleine muss noch davon überzeugt werden, dass selbst Jens Lehmann persönlich seine Weihnachtsgeschenke nicht in Torwart-Sweater und Turnhose entgegen nimmt. (Vermute ich zumindest, ich kenne den Mann ja gar nicht persönlich).

... Teil 2 folgt ...


Danke für die Erlaubnis zum Verwenden an Barbara Arnold, entdeckt bei www.kolumnen.de

Herzlichen Dank an Eva, deren Bilder ich in diesem Jahr freundlicherweise verwenden darf :-)

© bäuerinnentreff 2008


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